Schutz und Wiederherstellung der Moore wichtig für Biodiversität und Klima
Ob es den österreichischen Mooren und ihrer Biodiversität heute besser oder schlechter geht als vor 35 Jahren, untersuchten Forscher*innen am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien in einem groß angelegten Projekt. Das Ergebnis: Leider meist schlechter – die untersuchten 200 heimischen Moore waren im Mittel weniger feucht, trockener und nährstoffreicher, moortypische Pflanzen werden zunehmend verdrängt.
Die vielen bereits gesetzten Maßnahmen für den Moorschutz, wie z.B. das Life Projekt AMooRe oder die zahlreichen Moor-Wiederherstellungsprojekte des Biodiversitätsfonds leisten dafür wichtige Beiträge. Die Fortführung der Schutzmaßnahmen sei daher überaus wichtig, betont das Projektteam. Die Ergebnisse des von der Universität Wien durchgeführten Langzeit-Vergleichs werden Anfang Juni in Bad Goisern präsentiert. Im Zuge des Projekts wurden Moore in Bad Ischl und Gosau auf Flächen der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) revitalisiert; gestaltet wurden zudem der vierteilige Podcast „Moorvielfalt“ sowie Infotafeln.
Moore sind Heimat seltener Pflanzen und Tiere, speichern Kohlenstoff, kühlen, filtern das Wasser, das durch sie hindurchfließt, und wirken wie Schwämme: „Moore sind daher Klimahelfer, Kläranlage, Hochwasserschutz und Dürreversicherung in einem – und dazu noch wichtige Rückzugsräume für bedrohte und endemische Arten“, erklärt der Geoökologe Stephan Glatzel von der Universität Wien. All dies gelte jedoch nur für funktionierende Moore, so der Experte: „Wird ein Moor zu stark entwässert, verliert es diese Funktionen und kann sogar klimaschädlich wirken, indem viel CO2 freigesetzt wird. Auch die gegenwärtige Klimaerwärmung stresst die Moore und ihre Vegetation.“
Wie Österreichs Moore und ihre Biodiversität auf diesen Umweltstress reagieren, wurde seit 2022 in einem vom Biodiversitätsfonds 2021 des Bundesministeriums für Land- & Forstwirtschaft, Klima- & Umweltschutz, Regionen & Wasserwirtschaft und der NextGenerationEU geförderten Forschungsprojekt untersucht.
Hellrosa blühende Rosmarinheide (Andromeda polifolia) am Nassköhr
Moore als Weltmeister
Die Bedeutung der Moore betont auch Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft: „Moore sind Weltmeister in der CO2-Speicherung und Hotspots der Biodiversität. Das Umweltministerium forciert daher auf mehreren Ebenen den Erhalt und die Wiederherstellung der Moore in Österreich. Das gelingt vor allem mit dem Life-Projekt AMooRe und den zahlreichen Wiederherstellungsprojekten des Biodiversitätsfonds. Im Rahmen des Projektes der Universität Wien wurden außerdem drei Moore der österreichischen Bundesforste revitalisiert. Viele Erfolge wurden bereits erzielt, aber es braucht eine konsequente Fortführung unserer Bemühungen, damit diese einzigartigen Lebensräume erhalten bleiben.“
Im Rahmen des Forschungsprojekts an der Universität Wien wurden im Sommer 2023 rund 200 Moore kartiert, die bereits 1988 für die Erstellung des Österreichischen Moorschutzkataloges von Gert Michael Steiner, damals ebenfalls an der Universität Wien tätig, untersucht worden waren. Nun wurde nach ca. 35 Jahren überprüft, ob sich die Vegetation in Mooren und damit die Standortbedingungen (Zeigerwerte) geändert haben.
Rosa blühende Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
Moore trockener, dunkler und nährstoffreicher
Das sei – leider – durchaus der Fall: „Im Mittel sind Österreichs Moore heute weniger nass, mehr beschattet und nährstoffreicher als vor 35 Jahren“, erklärt die Wissenschaftlerin und Projektkoordinatorin Pamela Baur. Zudem seien die Moore heute weniger wassergesättigt und damit stärker durchlüftet und weisen eine höhere Artenanzahl auf: „Letzteres klingt gut, ist allerdings leider in diesem Fall problematisch, da es im Kontext Moor bedeutet, dass die moortypischen, oft stark gefährdeten Arten zunehmend Konkurrenz bekommen und von anderen Pflanzen verdrängt werden. Man sieht das auch deutlich – es gibt immer mehr Gehölzpflanzen und nicht-moortypische krautige Arten, die man beispielsweise in Wäldern oder auf Wiesen findet“, so Baur.
Auch wenn im Mittel alle Moorlebensräume Zeichen von Degradierung zeigen, seien die Schäden nicht überall gleich ausgeprägt: „Etwa ein Drittel der untersuchten Moorhabitate zeigen einen negativen Trend, da wären dringend Schutzmaßnahmen zu setzen“, sagt Baur. Bei etwa 60 Prozent zeigen sich zwar auch Veränderungen gegenüber dem Jahr 1988, die aber relativ leicht sind: „Das deutet darauf hin, dass viele Moore doch noch relativ resilient sein könnten – was eine gute Nachricht ist. Trotzdem sollte man auch hier an Moorschutz denken, um ihre Funktionen auch für die Zukunft zu erhalten.“ Verbessert hat sich der Zustand nur bei fünf Prozent der untersuchten Moorlebensräume.
Drei ÖBf-Moorflächen revitalisiert
In drei weiteren Mooren ist eine Verbesserung für die nächsten Jahre zu erwarten: Im Zuge des Projektes wurden 2025 mithilfe des Projektpartners Österreichische Bundesforste drei Moore in Gosau und Bad Ischl revitalisiert: das „Große Langmoos“, das „Torfmoos“ und die „Moosklausalm“ auf Flächen des ÖBf-Forstbetriebs Inneres Salzkammergut. „Um das Wasser in den Mooren zu halten, wurden in Summe 420 Laufmeter Spundwände errichtet. Zusätzlich wurde der Hauptgraben im “Großen Langmoos” mit 25 Tonnen Holz-Pellets verfüllt. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die natürliche Wasserspeicherfunktion wiederherzustellen”, so Xaver Wimmer, Regionales ÖBf-Naturraummanagement. Die Bundesforste betreuen künftig das hydrologische Monitoring der Flächen, um die Entwicklung der Wasserstände und den Erfolg der Revitalisierungsmaßnahmen langfristig zu dokumentieren.
Moorschutz weiter vorantreiben
Mehr als 2.000 Hektar Moorflächen gibt es bei den Bundesforsten, die sich als größter Naturraumbetreuer in Österreich bereits seit Jahrzehnten für deren Schutz engagieren. Über 50 Moorschutzprojekte wurden bisher umgesetzt. Kooperationen mit der Universität Wien haben dabei lange Tradition: Erste gemeinsame Projekte reichen rund 25 Jahre zurück. „Unsere Zusammenarbeit mit der Universität Wien verbindet wissenschaftliche Forschung mit Kartierungen auf unseren Flächen und praktischer Naturschutzarbeit im Gelände. Die Erkenntnisse aus dem Projekt bestärken uns darin, unsere zukünftigen Vorhaben im Moorschutz weiter voranzutreiben“, sagt Christina Laßnig-Wlad, Leiterin ÖBf-Naturraummanagement.
Dammeinbau im Langmoos.
Dammeinbau im Langmoos.
Helikoptertransport ins Langmoos.
Die drei Moore werden in Bad Goisern am 1. Juni 2026 offiziell eröffnet; vor Ort werden eigens gestaltete Infotafeln zu Mooren generell und den jeweiligen Hochmooren angebracht, die auch auf der Projektseite abrufbar sind. Ebenfalls online verfügbar sind die Folgen des Podcast „Moorvielfalt“, die im Zuge des Projektes veröffentlicht wurden – die letzte Podcast-Folge geht ebenfalls am 1. Juni online.
- Erhalt und Wiederherstellung der Biodiversität der Moore Österreichs
- Moorvielfalt – Podcast, Infotafeln und Projektinfos
- Arbeitsgruppe Geoökologie an der Universität Wien
- Rudolphina: Moore in Gefahr - warum wir das Ökosystem Moor jetzt schützen müssen
- Baur PA, Steiner GM, Glatzel S. Climate-change-induced degradation of mires in Eastern Alps: A comprehensive resampling study of 200 mires after 35 years. 2026. EGU General Assembly 2026, Vienna, Österreich. doi: 10.5194/egusphere-egu26-4006
- Österreichischer Moorschutzkatalog von 1992
Im Rahmen des Biodiversitätsfonds wurden zahlreiche Moor-Wiederherstellungsprojekte gefördert; auch im Rahmen des LIFE-Projekts AMooRe, an dem neben der Universität Wien und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel alle neun Bundesländer sowie das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft beteiligt sind, wird in den Moorschutz in Österreich investiert.
Kontakte
Stephan Glatzel
Projektleitung
Leiter der Arbeitsgruppe Geoökologie
Institut für Geographie und Regionalforschung
Universität Wien
+43-1-4277-48660
Pamela Alessandra Baur
B.Sc. M.Sc.
Projektkoordination
Arbeitsgruppe Geoökologie
Institut für Geographie und Regionalforschung
Universität Wien
+43-1-4277-48662
Heidi Weinhäupl
Kommunikation, Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Universität Wien
+43-1-4277-53007